15. Juni: Tag der Freien Radios / Medien

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Freie, nichtkommerzielle Medien sind leider noch keine Selbstverständlichkeit. Und doch gibt es viele Menschen, die sich eine Gegenöffentlichkeit wünschen und sich diese auch schaffen. Gerade in Tirol stellt die Medienkonzentration in Bezug auf Meinungsvielfalt eine immer bedenklichere Situation dar. Der seit Ende der 90er Jahre eingeführte Tag der Freien Radios / Medien soll ins Gedächtnis rufen, dass Freie Medien einen wesentlichen Beitrag zur Freiheit der Meinungsäußerung und zur Medienvielfalt leisten.

Programm zum 15. Juni:

08:00-09:00 Uhr
Re|naming Media
Im Zuge der Ars Electronica 2010 gestaltete Radio FRO eine Medienkonferenz mit dem Titel „Re|naming Media – Herausforderungen europäischer Medienpolitik im Zusammenhang mit Migration und Diversity“.
LIVE-Diskussion im Studio über Inhalt und Ausrichtung des international besetzen Panels.

Re|naming Media

Mediale Wirklichkeit orientiert sich meist an der Idee des Qualitätsjournalismus – wenn man beispielsweise die Flachheit des Programminhalts vieler Privatfernsehanbieter ausser acht läßt, die auch keine n Bildungsauftrag wahrnehmen. Das was man hinlänglich Qualitätsjournalismus nennt beginnt aber zu bröckeln. Das liegt auch daran, dass durch den Einfluß von sogenannten Web 2.0 Strategien und deren Möglichkeiten, der BürgerInnenjournalismus, der oft mit der Idee der Gegenöffentlichkeit in Verbindung gebracht wird, zusammenfällt. Für Johan Galtung war der BürgerInnenjournalismus ein Zeichen der Friedensbewegung.
BürgerInnenjournalismus zeichnet sich darin aus, dass das ursprüngliche Sender-Empfänger-Verständnis überwunden wird. Die Bürgerin, der Bürger wird selbst zum Sender. Und da nun in vielen Ländern Europas prinzipiell Alle einen Zugang zu sogenannten Freien Medien haben sollen, entwickelte sich mit der Zeit der Begriff der Medialen Integration. Denn auch die Gruppe, oder Zielgruppe der MigrantInnen wurde interessant. Als ökonomische Größe stellen sie das dar, was als Ethno-Markting verwertbar ist.
Aus medienpolitischer Sicht ist die sogenannte 4. Macht im Staat auch mit parteipolitischen Bestrebungen verbunden, dh. wenn sich Österreich vom klassischen Einwanderungsland verändert hin zum Nationalstaat, dann hat das auch seine Auswirkungen auf die Medienvielfalt.
Was den Journalismus und seine Ausbildungsmöglichkeiten betrifft, sind ja die Freien Medien „das gute Beispiel“. Doch wenn man genauer hinsieht, dann zeigt sich, dass reproduzierter Rassismus im Journalismus nichts Unbekanntes ist. Und wie kann man mit der Definition MigrantIn im medialen Feld umgehen? Ist der Begriff für sich nicht schon ein Problem, wenn auch in Freien Medienkonglomeraten die EntscheidungsträgerInnen meist nicht-migrantischen-Hintergrund haben und weitgehend AkademikerInnen sind?
Hintergründe und Probleme, die wir im Studio ansatzweise diskutieren. Zu Gast sind die Panelteilnehmer- und Initiatoren Michael Gams, Alexander Vojvoda und Oliver Jagosch, seines Zeichens Ausbildungskoordinator bei Radio FRO.

Im zweiten Teil der Sendung hört ihr einen Beitrag von den KollegInnen des Freien Radio Corax in Halle. Da wird über die 1. libertäre Medienmesse berichtet.
Am Mikrofon: Pamela Neuwirth

11:06-12:00 Uhr

  • „Von 100 freien Radios hat nur eines eine Lizenz“ – Interview mit Javier von der Unión de Radios Libres y Comunitarias zur Situation freier Radiosender in Spanien
    Ganz egal wo – freie Medien sind für die unabhängige und kritische Berichterstattung von größter Bedeutung – und auch das ist klar: allzu oft sind sie nicht im Interesse der Machthaberinnen, berichten sie doch mit penetranter Regelmäßigkeit kritisch über eben diese. So kommt es auch, dass ihre Situation in vielen Staaten prekär ist und sie mancherorts sogar völlig unterdrückt werden.
    Auch wenn die Aufmerksamkeit wenn von freien Medien gesprochen wird heute zunehmend auf dem Internet liegt und hier insbesondere auf dem Indymedianetzwerk, so spielen doch unverändert auch die freien Radiosender eine zentrale Rolle bei der unabhängigen Berichterstattung von unten. Die Situation dieser ist weltweit und natürlich auch innerhalb der Europäischen Union sehr verschieden. In Deutschland ist es gar von Bundesland zu Bundesland uneinheitlich – so gibt es in großen Teilen der Bundesrepublik freie Radiosender mit Lizenz während in Berlin die Gründung eines freien Radiosenders fortdauernd politisch verhindert wird! Als dort vor zwei Wochen im Zuge einer Demo eine Gruppe dann einfach schwarz – also ohne Lizenz – sendete, kam es direkt zu einem Polizeigroßeinsatz mit dem Ziel den Sender und die Sendungsmachenden zu beschlagnahmen.
    Illegal senden ist andernorts kein so großes Problem – so etwa in Spanien. Schwarz senden tun dort über 100 freie Radios, manche von ihnen seit bald drei Jahrzehnten – doch eine Lizenz und offizielle Anerkennung wird ihnen immer wieder verwehrt!
  • Brasilien ist ein Radiokontinent.
    Neben staatlichen und kommerziellen Sendern hat sich dort in den letzten Jahrzehnten auch eine große alternative Radioszene formiert. Doch wie schaffen es diese politisch vielgestaltigen Projekte trotz rechtlicher, finanzieller und technischer Hindernisse auf UKW und im Internet hörbar zu sein?
  • Medien und Demokratie in Lateinamerika
    Seit mittlerweile über einem Jahrzehnt befinden sich einige Staaten Lateinamerikas auf einem Weg, der sich bewusst von der vorherrschenden neoliberalen Doktrin absetzt. Dieser Prozess widerspiegelt sich auch in der Umgestaltung der Medien. Doch was genau bedeutet die „Demokratisierung der Medien“ dort? Wie werden diese Prozesse in den hiesigen Medien reflektiert? Worin bestehen die Aufgaben freier Medien?
  • Ein Gespräch mit der Präsidentin der AMARC, dem Weltverband der freien Radios
    Bei uns in Europa – wo die Meinungs- und Medienfreiheit fast überall respektiert wird – tragen die Gemeinschaftsradios zur Medienvielfalt bei. In anderen Weltregionen aber erfüllen sie noch sehr viel wichtigere Funktionen – als Austauschplattform, als Mittel, sich zu organisieren, oder als Sprachrohr für unterdrückte Minderheiten.
    In Ländern zum Beispiel, wo die Medien staatlicher Zensur unterliegen. Oder in Ländern, wo viele Menschen leben, die weder lesen noch schreiben können. AMARC – die Dachorganisation der freien Radios – verschafft all diesen Radios eine gemeinsame Stimme.
    Wilma Rall hat mit der Präsidentin von AMARC, Maria Pia Mata aus Chile gesprochen – über die Rolle der Gemeinschaftsradios in aller Welt und die Rolle von AMARC als ihre Dachorganisation.
  • Ein Feature über Baskische Medien, Traditionen und baskischen Punk
    Die baskische Minderheit im Norden Spaniens und Süden Frankreichs gestaltet freie Radios, Webradios und Zeitungen in der eigenen Sprache. Die Basken sind äußerst stolz auf ihre eigene Kultur. Das drückt sich neben den Medien auch in der Musik und im Brauchtum aus. Ein Feature von Michael Gams, der kürzlich zu Besuch im Baskenland war und sich für die FROzine über Freie Medienproduktion und kulturelle Besonderheiten im Baskenland informierte.

13:06-14:40 Uhr
Freirad über Freirad
Eine Wiederholung der Sondersendung vom 19.11.2010 anläßlich des Umzugs von Freirad 105,9 in die neuen Räumlichkeiten in der Egger-Lienz-Straße.
Benedikt Sauer interviewte die MitarbeiterInnen von Freirad: Geli Kugler, Anna Pfeifer und Markus Schennach.

15:00-16:00 Uhr
Radio Netwatcher vom 20.9.2010 – Radiobranche 2.0, Freie Radios und mehr
Radio 2.0 oder eine Branche im Umbruch?
Im Interview mit KommAustria Chef Michael Ogris
ein Radiofeature von Thomas Fassler und Manfred Krejcik
http://cba.fro.at/show.php?lang=de&eintrag_id=18670
Eine Branche ist derzeit im Umbruch. Zum Einen werden wieder Radiolizenzen und deren Frequenzen in Wien ausgeschrieben. Zum Anderen nagt die Digitalisierung die eher ungeliebt ist so lange der wirtschaftliche Erfolg nicht sicher gestellt ist.
Seit mehr als 10 Jahren gibt es in Österreich Privatradios. Lasst viele tausend Rosen blühen hies zu Beginn. Von dieser Medienromantik ist man heute weit entfernt.
Wenn nicht die Digitalisierung die Branche neu definiert. So liegen das Überall-Internet in den Startlöchern mit dem Rückwind der neuen Smart-Phones als Businesscase der Mobilfunkbetreiber die vielleicht das Ende das analogen terrestischen Radios einläuten könnten. Damit auch die Abschaffung der Regulierungsbehörde mit sich bringen würden.
Dies ist gewiss keine Fiktion mehr. Aber Spannung ist mit Blick in die Zukunft garantiert.
Möglichweise kann aus den Erfahrungen 2008 lernen wo im Westen von Österreich schon einmal Rundfunklizenzen neu ausgeschrieben wurde.
Spannend auch die Frage wer wird in Wien das Rennen machen?
Werden alle Wiener Radiostationen wieder den Zuschlag erhalten oder wird es ein Stechen unter verschiedenen Bewerbern geben?
Eine Spannung, der sich auch das Freie Radio in Wien, ORANGE 94.0 nicht entziehen kann.
Dennoch ist alles offen. Handelt es sich bei den Ausschreibungen um Neubewerbungen und nicht um Verlängerung wie wir aus der Regulierungsbehörde KommAustria erfuhren durften.
Michael Ogris, Leiter von der KommAustria ist Herr der Rundfunklizenzen u. Entscheidungsträger der Ausschreibung hier in Wien. Wir haben uns mit Herrn Ogris getroffen und ihn schon mal brennende Fragen gestellt die niemand in der Radiobranche kalt lassen wird.
Dabei spannt unser Fragebogen aus dem Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunk inklusiven Blick auf das neue ORF-Rundfunkgesetz. Sowie der Blick auf die privaten Kommerziellen Sender. Aber auch die „dritte Säule“ des österreichischen Rundfunks, die Freien Radios.
Exklusiv interessiert uns gerade im Bereich der Freien Radios wie es mit einem 2. Freien Radio in Wien aussehen würde. Da ja schon mal in einem Interview die Geschäftsführerin von Radio ORANGE 94.0 meinte es sollte ohne weiteres ein 2. Freies Radio in Wien geben. Wie wäre es mit einem bundesweiten Freien Radio? uvm.
57 Minuten spannende Fragen rund um die Radiobranche mit Blick auf Wien, den Freien Radios gestellt von Thomas Fassler und Manfred Krejcik

17:00-18:00 Uhr
Abschied von der Medienfreiheit in Ungarn
Seit dem 01. Jänner 2011 ist in Ungarn ein neues Mediengesetz in Kraft. Was erlaubt und was verboten ist, wird darin nicht klar definiert. Allerdings dürfen Informationen nur mehr von einer regierungsnahen Presseagentur bezogen werden und auch auf die Programmgestaltung wird verstärkt Einfluss genommen. Darüber hinaus gibt es weitere Anzeichen einer immer stärkeren Radikalisierung in der ungarischen Politik. Radio RaBe Bern und das Freie Senderkombinat Hamburg haben zur aktuellen Situation Interviews mit der Journalistin Julia Varádi und der Kulturwissenschafterin Magdalena Marsovsky geführt.
Ein Radio Stimme Retweet mit Beiträgen von Radio RaBe und Radio Revolte/FSK Hamburg.
Sendung vom 11.01.2011; Orange 94.0, Wien

22:00-24:00 Uhr
Zivilgesellschaft und Medien
25.10.2010, Graz

Robert Misik (Autor/Blogger / AT)
Mercedes Bunz (Journalistin, Autorin / DE)
Gerald Bäck (Digital Affairs / AT)
Daniela Kraus (Medienhaus Wien / AT)
Klaus Unterberger (ORF Public Value /AT)

Moderation: Daniel Erlacher (Elevate / AT)

In einer modernen demokratischen Öffentlichkeit findet die politische Auseinandersetzung vorrangig über die Medien statt. Damit Politik für die breite Masse interessant ist, muss sie entsprechend aufbereitet und inszeniert werden. Das persönliche Auftreten von PolitikerInnen, ihre Art zu sprechen und ihre Fähigkeit zur leicht verständlichen Darstellung programmatischer Inhalte entscheiden weithin über ihren Erfolg oder Misserfolg. Es wird nicht versucht, potenzielle WählerInnen mit stichhaltigen Argumentationen zu überzeugen, sondern es wird auf das ständige Wiederholen vereinfachter Botschaften gesetzt. Das finanzielle Naheverhältnis der Politik zu kommerziellen Medien, das sich in bezahlten Inseraten widerspiegelt, ist demokratiepolitisch ebenso bedenklich wie die Steuerung von Medien durch Großkonzerne.
Fortschrittliche zivilgesellschaftliche Initiativen können und wollen meist nicht nach den oben beschriebenen Prinzipien arbeiten und nutzen andere Strategien der Medienarbeit: Mit freien Medien, selbst verwalteten Kommunikationssystemen und der Nutzung großer sozialer Netzwerke können heutzutage sehr viele Menschen erreicht und mobilisiert werden.
Auch die Printmedien und der öffentlich-rechtliche Rundfunk nehmen immer noch eine wichtige Funktion bei der Vermittlung von Inhalten zivilgesellschaftlicher Bewegungen wahr und tragen oft maßgebend zum Erfolg oder Misserfolg einer Initiative bei.
Diese Podiumsdiskussion mit MedienvertreterInnen, ExpertInnen und JournalistInnen beleuchtet die verschiedenen Aspekte moderner Medienarbeit.
http://2010.elevate.at/diskurs-film/communicate-2510/zivilgesellschaft-und-medien-1800/
Sendung vom 28.10.2010; Radio Helsinki, Graz

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