Sendeschwerpunkt zum Tag der Verschwundenen am 30. August 2014

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Am 30. August, dem “Internationalen Tag der Verschwundenen”, erinnern wir uns an Menschen, die auf unerklärliche Weise “verschwinden”. Häufig handelt es sich dabei um Personen, die aufgrund ihrer politischen Einstellung und ihres Engagements inhaftiert, oft gefoltert oder sogar getötet werden. Auch wollen wir auf die Menschen aufmerksam machen, die in den Rädern von Schubhaft und Abschiebepraxis psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind und nicht nur still und leise nicht mehr da sind, sondern auch aus unserem Gedächtnis “verschwinden”. FREIRAD widmet diesem Thema einige Stunden Sonderprogramm.

PROGRAMMÜBERBLICK:

09:00 bis 10:00 Uhr
Neuer Abschiebeknast in Vordernberg: Weg damit!!
Das neue Abschiebegefängnis in Vordenberg (Steiermark) ist das erste in Österreich, in dem ausschließlich Schubhäftlinge inhaftiert sind. Es wurde am 4.3.2014 in Betrieb genommen und ist der erste teilprivatisierte Knast in Österreich. Die ‚Repressionsdienstleistungen‘ übernimmt der Verein G4S, dessen menschenverachtende Methoden gemeinhin bekannt sind. So stehen aktuell zwei Mitarbeiter der ‚Sicherheitsfirma‘ vor Gericht, weil sie einen Menschen im Rahmen seiner Abschiebung ermordet haben sollen.
Vordernberg wird als Vorzeigeprojekt präsentiert, Assoziationen mit Gefängnis, Haft oder Zellen sollen nicht aufkommen. Stattdessen wird von Angehaltenen, Wohngruppen und Gemeinschaftsräumen gesprochen. Unter dem Vorwand besserer Haftbedingungen soll hier die menschenverachtende Abschiebepraxis in Österreich verschleiert werden. Scheisse schön verpackt?!

Wir machen deutlich warum die Schubhaft in Vordernberg nichts anderes als ein Gefängnis, in dem 200 Menschen bis zu ihrer Abschiebung eingesperrt werden können, ist. Dazu werden Flyer_Texte vorgelesen und kommentiert. Eine Vordernbergin erzählt, was für Lügen vor dem Bau gestreut wurden und wieso sie, trotz der neuen Arbeitsplätze (ein „Argument“, welches in der Entstehungsgeschichte eine wesentliche Funktion hatte und z.B. vom Bürgermeister eingesetzt wurde, um mehr Stimmen für den Bau zu bekommen) gegen die Politik und die Gefangenschaft ist.

Sendereihe: Rhabarber, orange 94,0 Wien
Produktionsdatum: 17.01.2014
nachhören: cba.fro.at/255452

10:06 bis 11:00 Uhr
Wir spannen einen Bogen von den geraubten Kindern des NS-Regimes in den 40er-Jahren über organisierten Kindsraub während argentischen Militärdiktatur in den 70er und 80er-Jahren bis zu den Menschenverschleppungen im Mexiko der Gegenwart.

Geraubte Kinder des NS und verweigerte Entschädigungen
Der erste Beitrag kommt von Radio FSK in Hamburg und handelt von geraubten Kindern der Nationalsozialisten. Im Studio zu Gast sind Mitglieder des Vereins „geraubte Kinder – vergessene Opfer e.V.“, der eine Wanderausstellung zu diesem Thema organisiert hat.
Radio FSK, Hamburg
Produktionsdatum: 03.01.2014
nachhören: www.freie-radios.net/61003

Organisierter Kindsraub während argentischen Militärdiktatur
In Argentinien wurden während der Militärdiktatur 1976-83 über 500 neugeborene Kinder von Regimegegnerinnen verschleppt, ihre Mütter ermordet. Ohne ihre wahre Identität zu kennen, wuchsen sie bei Anhängern der Junta auf. Erst im Jahr 2012 wurden hochrangige Militärs dafür verurteilt.
Radio Z in Nürnberg erzählt die Geschichte von Victoria Donda, einer Tochter von Verschwundenen und blickt auf den Prozess zurück.
Radio Z, Nürnberg
Produktionsdatum: 11.07.2012
nachhören: www.freie-radios.net/49611

Menschenverschleppungen und Straflosigkeit in Mexiko
Mexiko gibt sich nach Außen hin als Demokratie und funktionierender Rechtsstaat, doch die Lage der Menschenrechte im Inneren ist dramatisch.
Radio Corax in Halle sprach mit Blanca Martínez von der Bewegung „mit vereinten Kräften für die Verschwundenen in Mexiko“ über die zahlreichen Fälle von Entführungen und den Umgang von Justiz und Regierung damit.
Radio Corax, Halle/S.
Produktionsdatum: 16.01.2013
nachhören: www.freie-radios.net/53170

11:06 bis 11:45 Uhr
Mare Nostrum: Die Abschottung Europas am Mittelmeer
Mare nostrum – unser Meer. So nannten die antiken Römer das Mittelmeer. Und viel hat sich daran nicht geändert.
Mare nostrum heißt heute eine italienische Militärmission, die afrikanische Flüchtlinge von Europa fernhalten soll. Doch diese ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Polizeimission EUROBAM, die Grenzschutzagentur Frontex und das Flüchtlingsabwehrprogrammm EUROSUR – alle sollen das Mittelmeer sauber halten. Wie Europa das Mittelmeer zur Todesfalle macht, ist das Thema dieser Ausgabe von Focus Europa Spezial.
Zu Wort kommen werden die Europaabgeordnete Cornelia Ernst sowie ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Lorenz Krämer. Und Ska Keller, ebenfalls Europaabgeordnete und Spitzenkandidatin der europäischen Grünen.
Weitere Infos geben uns Hagen Kopp von „Kein Mensch ist illegal“ und unsere bewährten Korrespondenten: Bernard Schmid ist freier Journalist und Nordafrikaexperte. Matthias Monroy ist ebenfalls Freier Journalist und kennt sich bestens aus in der europäischen Sicherheitsarchitektur. Musikalisch ist die Sendung untermalt vom Lampedusa Blues der Gruppe COR.

Sendereihe: Focus Europa, Radio Dreyeckland Freiburg
Produktionsdatum: 16.05.2014
nachhören: www.freie-radios.net/63842

13:06 bis 14:00 Uhr
Blackbox Demokratie – Lesung mit Julya Rabinowich
Julya Rabinowich liest aus dem Buch „Blackbox Abschiebung“ von Miltiadis Oulios sowie weitere Texte, die von den inneren und äußeren Zuständen von Asylsuchenden und Unerwünschten berichten.
Die Diskussionen über Abschiebungen sind spätestens seit den europaweiten Protesten von Flüchtlingen in aller Munde. Aber was sind Abschiebungen eigentlich? Was passiert in einem Abschiebelager, wie ergeht es Menschen, die abgeschoben wurden? Das Buch „Blackbox Abschiebung“ von Miltiadis Oulios, das im Zusammenhang mit der gleichnamigen Ausstellung entstanden ist, bringt Daten und Fakten zusammen und erzählt die Geschichten von Menschen, deren Existenz oftmals gerne negiert wird.
Julya Rabinowich, mehrfach ausgezeichnete Autorin, selbst von St. Petersburg 1977 entwurzelt und nach Wien „umgetopft“, arbeitet u.a. auch als Simultandolmetscherin im Rahmen von Psychotherapie- und Psychiatriesitzungen mit Flüchtlingen. Sie lebt als Autorin, Dramatikerin und Malerin in Wien, für ihren Debütroman „Spaltkopf“ erhielt sie 2009 den Rauriser Literaturpreis.

Redakteurin: Marty Huber
Produktionsdatum: 20.09.2013
orange 94,0 Wien
nachhören: cba.fro.at/246719

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