FRAUEN* AN DIE MIKROS!

Share


Frauen* an die Mikros – was wir für den Medienbereich fordern

Statement von FREIRAD (nicht nur) anlässlich des Frauen*kampftags am 8. März 2021

Heute sprechen wir über etwas, von dem wir eine Ahnung haben. Nämlich: den Medien. Als Freies Radio kennt sich FREIRAD in diesem Bereich aus. Und weiß, dass auch hier für Geschlechtergerechtigkeit gekämpft werden muss. Auf allen Ebenen. Und nicht nur am 8. März.

Mehr Platz für Frauen*
Frauen*spezifische Themen finden in den Medien häufig nur zwei Mal im Jahr Platz: zum Internationalen Frauen*kampftag am 8. März und zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen am 25. November.
Wir fordern ausführliche Berichterstattung zu frauen*relevanten Themen in allen Medien – 365 Tage im Jahr.

Fakten schaffen
Mit Sprache ist vieles möglich: informieren, aufklären, benennen, erklären, aber auch verschleiern, vertuschen, beschönigen. Letzteres passiert immer noch in der Berichterstattung über die sich auch in Österreich häufenden Femizide. Medien berichten romantisierend über Eifersuchts- und Beziehungsdramen. Sind sie das tatsächlich? Nein! Sondern? Morde an Frauen* auf Grund ihres Geschlechts. Und so gehört es auch benannt und geschrieben.
Wir fordern eine klare Sprache in der Berichterstattung über Gewalt und Morde an Frauen*!

Mitgemeint heißt unsichtbar
In der medialen Berichterstattung sind Frauen* meist nur mitgemeint. Im Fernsehen, in den Zeitungen und im Radio verwenden Journalist*innen, Redakteur*innen und Nachrichtensprecher*innen oft ausschließlich die männliche Form. Ihr Argument: Platz- und Zeitmangel. Wie wäre es stattdessen mit der Verwendung des generischen Femininums? Statt von Politikern, Ärzten und Schriftstellern sprechen wir von nun an nur noch von Politikerinnen, Ärztinnen und Schriftstellerinnen. Die männliche Bezeichnung ist in der weiblichen Form ohnehin enthalten, Männer sind also mitgemeint. Damit Frauen* nicht mehr nur noch als Kinderbetreuerinnen, Verkäuferinnen und Pflegerinnen in der Berichterstattung sichtbar sind.
Wir fordern eine gendergerechte Sprache in den Medien!

Frauen* sind kompetent
Noch immer sind Frauen* in den Medien unterrepräsentiert. In den Chef*innenetagen von Zeitungen, Magazinen, Fernsehsendern und Radios finden sich kaum Frauen*. Bekannte und erfolgreiche Nachrichtensprecher*innen sind meistens Männer. Als Gäste holen sie sich diese meist nur Experten und keine Expertinnen in ihre Sendungen. Obwohl es genügend geeignete Expertinnen gibt. Die Berichterstattung während der Covid-19-Krise hat dies noch einmal verdeutlicht.
Wir fordern die Bevorzugung von Frauen* bei gleicher Qualifikation!

Frauen* an die Mikros
FREIRAD ist ein Freies Radio, bei dem ehrenamtliche Radiomacher*innen das Programm machen. Obwohl wir uns besonders um Radiomacherinnen im Hinblick auf oben genannte Forderungen bemühen, finden sich auch bei FREIRAD momentan mehr Männer als Frauen* hinter den Mikros. Warum? Gute Frage. Einerseits hängt dies sicherlich mit der Tatsache zusammen, dass Frauen* den Großteil der unbezahlten Arbeit in unserer Gesellschaft leisten. Noch immer kümmern sich größtenteils Frauen* (neben ihrer Erwerbsarbeit) um die Kinder, um pflegebedürftige und ältere Familienangehörige, den Einkauf, den Haushalt und die Organisation des Familienalltags. Eigene Interessen finden in der straffen Tagesplanung kaum Platz. Dafür gibt es einfach zu wenig Zeit. Um Radio zu machen, braucht es aber gerade das: Zeit und Ruhe. Dafür wiederum müssen die Frauen* ihre Kinder gut aufgehoben und versorgt wissen und ein paar Stunden die unbezahlte Arbeit ruhen lassen und/oder abgeben können. Denn nur dann können sich Frauen* mehr Gehör verschaffen.
Wir fordern deshalb eine faire Aufteilung der unbezahlten Arbeit und mehr kostenlose Kinderbetreuungsplätze in Tirol!

Frauen*, seid laut!
Dies ist natürlich nicht der einzige Grund, warum bei FREIRAD mehr Männer als Frauen* Radio machen. Unserer Erfahrung nach spielt dabei auch die weibliche Sozialisierung eine große Rolle. Frauen* sollen leise und nicht laut sein, sollen sich privat und nicht öffentlich äußern, sollen Konsens suchen und nicht Konflikte, sollen sich in Zustimmung und nicht in Kritik üben, sollen sich dem Sozialen und nicht der Technik widmen– viel zu viele Kabel, Knöpfe, Schalter gibt es da. Stimmt nicht, sagen wir. Radio machen hat zwar mit Technik zu tun, kann schwer, kann leicht sein – allerdings ist dies kein Grund, Technik und in weiterer Folge Radiomachen einem bestimmten Geschlecht zuzuschreiben. All dies sind Verhaltensregeln, die noch tief in der Gesellschaft verwurzelt sind, aber getrost über den Haufen geworfen werden können. Denn Frauen* haben genug zu erzählen, können gesellschaftliche Probleme adressieren und Lösungen vorantreiben, können Menschen unterhalten und informieren und können lautstark ihre Meinung kundtun – in den eigenen vier Wänden, im Freund*innenkreis und der Familie genauso wie im öffentlichen Raum. Auch wenn dieser unsichtbar in Form der Radiohörer*innen bleibt, welche Frau* durch das Mikro im FREIRAD Studio anspricht. Wir wollen die Frauen* genau darin bestärken und ein gesellschaftliches Umdenken fördern. Dazu braucht es aber nicht nur uns – sondern auch entsprechende Bedingungen.
Wir fordern deshalb mehr finanzielle Unterstützung und Angebote im Bereich Radiomachen, Medienkompetenz und Empowerment für Frauen*!

Frauen* hinter den Mikros
FREIRAD gibt marginalisierten Gruppen eine Stimme und macht sie hörbar. Damit dies möglich ist, arbeitet ein multikompetentes Team im Hintergrund und kümmert sich um Ausbildung, Programmwicklung, Technik, Öffentlichkeitsarbeit, Administration und Verwaltung. Anders als vor den Mikros finden sich hier hinter den Mikros mehrheitlich Frauen* wieder. Gearbeitet wird in Teilzeit, weil die Fördersituation keine Vollzeitanstellungen zulässt. Teilzeit wiederum heißt niedrige Löhne in der ohnehin schon schlecht bezahlten Kunst- und Kulturszene. Löhne, die sich bis zu 40% unter dem von der IG Kultur veranschlagten Mindestbruttolohn befinden. Und mit denen sich die Lebenserhaltungskosten in Tirol kaum bestreiten lassen. Kein Geld im Hier und Jetzt, kein Geld in der Zukunft. Denn ein niedriges Einkommen bedeutet auch eine niedrige Pension.
Deshalb fordern wir die Aufstockung der Löhne im Allgemeinen und entsprechend dem Fair-Pay-Schema der IG Kultur im Konkreten!

Das Problem der fehlenden Geschlechtergerechtigkeit in den Medien ist vielseitig und komplex. Wir haben versucht, einige Aspekte davon aufzuzeigen und entsprechende Forderungen zur Verbesserung der Situation daran geknüpft. Wir von FREIRAD bemühen uns sehr, Geschlechtergerechtigkeit in den Medien herbeizuführen. Aber: wir brauchen dich dazu! Wie du uns unterstützen und dich einbringen kannst? Ganz einfach.

Melde dich bei uns unter wir@freirad.at und teile deine Anregungen, Wünsche und Erfahrungen. Werde Radiomacherin bei FREIRAD. Lerne Radiomachen und gestalte deine eigene Sendung. Teile deine Erfahrungen im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter. Lade Expertinnen zu dir ins Studio ein oder trete selbst als Expertin auf. Solidarisiere dich mit anderen Frauen* und spiele ihre Musik on air. Sprich fehlende Geschlechtergerechtigkeit an und Fakten und Zahlen dazu aus. Verwende gendergerechte Sprache. Fordere faire und gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit, die gerechte Aufteilung unbezahlter Arbeit und mehr kostenlose Kinderbetreuungsplätze. Erobere den öffentlichen Raum zurück. Kurzum: Verschaff dir Gehör! On air und außerhalb des Studios. Überall und immerzu. Denn nur so können wir unser Ziel einer geschlechtergerechten Gesellschaft verwirklichen.

Das Statement als PDF zum Download

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Feminismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.