Systemfehler. Spaltungsrhetorik als Entpolitisierung von Ungleichheit

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An die Krise des neoliberalen Kapitalismus schließen sich eine Reihe von Krisendiskursen an, die sich einer Spaltungsrhetorik bedienen und die gegenwärtige Probleme der Organisierung der Arbeit, des politischen Systems und des gesellschaftlichen Zusammenhalts populistisch verkürzen und/oder verkehren. In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 erscheinen oder verstärken sich diverse Diskurse – von „Überfremdung“, einer „neue Unterschicht“, „Sozialmissbrauch“, einer „Männlichkeitskrise“ bis hin zur „demographischen Krise“ – die als Lösung der gegenwärtigen Systemkrise oftmals autoritäre, rückwärtsgewandte Ordnungsvorstellungen propagieren. Gesellschaftsanalyse und -kritik werden dabei ersetzt durch eine eingängige – medial verbreitete – Skandalisierung, die sich oftmals selbst das Etikett des „kritischen Tabubruchs“ verleiht.

Die Vielzahl an Krisendiskursen deutet dabei eher auf verdeckte Verteilungskämpfe hin. In diesem Sinn geht es um hegemoniale Prozesse, die traditionelle Machtbestände und Ressourcenverteilungen und damit auch die gesellschaftliche Positionierung und Privilegierung bürgerlicher, weißer Männlichkeit stabilisieren sollen.

Die Vortragsreihe will Spaltungsdiskursen und (rechts-)populistischen Diskursstrategien auf den Grund gehen und die damit einhergehenden Verdeckungszusammenhänge analysieren. Ausgangspunkt ist dabei eine intersektionale Herangehensweise, die Klassen-, Geschlechter- und rassistische Spaltungen und ihre Verwobenheit miteinander im Blick hat und artikuliert.

Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation des Büros für Gleichstellung und Gender Studies / Universität Innsbruck, der AK-Tirol, dem ÖGB-Tirol und dem AMS-Tirol.

Am 26.01., in der ersten Sendung ist die Auftaktsveranstaltung nachzuhören, eine Podiumsdiskussion die am 12. November 2012 stattgefunden hat.
am Podium:

  • Karin Priester, Professorin am Institut für Soziologie der Universität Münster
    Forschungsschwerpunkte: Politische Soziologie und Theorie, Parteienforschung, Faschismus- und Kommunismusforschung
  • Anton Pelinka, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Budapest
    Forschungsschwerpunkte: politisches System und politische Kultur in Österreich, Demokratie-, Theorie- und Nationalismusforschung
  • Hans-Henning Scharsach, Journalist und Buchautor von u.a. ‚Haiders Kampf‘ und ‚Strache im Braunen Sumpf‘
  • Elisabeth Klaus, Professorin an der Universität für Kommunikationswissenschaft Salzburg
    Forschungsschwerpunkte: Theorien und Methoden der Kommunikationswissenschaft, Geschlechtertheorien, Geschlechterforschung, Öffentlichkeitstheorien, Cultural Studies, Populärkultur
  • Moderation: Alexandra Weiss, Politikwissenschafterin im Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck

(Sorry für die z.T. schlechte Qualität, bedingt durch die Technik am Veranstaltungsort)

Die Veranstaltungsreihe ist jeden 4. Samstag von 9-11 Uhr auf FREIRAD 105.9 nachzuhören.

Informationen zur Veranstaltungsreihe: http://www.uibk.ac.at/leopoldine/gender-studies/veranstaltungen/

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Systemfehler
Spaltungsrhetorik als Entpolitisierung von Ungleichheit

Programm:

28. Jänner 2013:
Luzenir Caixeta: Globale Arbeitsverhältnisse und Rassismus
(Mitbegründerin von MAIZ – Autonomes Integrationszentrum von und für Migrantinnen, Linz)
Koreferat: Gerhard Hetfleisch (ZeMiT, Innsbruck)

18. Februar 2013:
Ines Kappert: Die Männlichkeitskrise als konservative Kapitalismuskritik
(Sozialwissenschafterin und Meinungs-Redakteurin der tageszeitung – taz)
Koreferat: Maggie Jansenberger (Unabhängige Frauenbeauftragte Graz)

18. März 2013:
Jörg Flecker: Rechtspopulismus: Umbrüche der Arbeitswelt und ihre politische Verarbeitung
(Univ.-Doz. Dr., seit 1991 wissenschaftlicher Leiter von FORBA, Wien)
Koreferat: Willie Mernyi (ÖGB, Wien) angefragt

29. April 2013:
Birgit Stark: „Boulvardisierung und Skandalisierungslogik – Zustand und demokratiepolitische Bedeutung der ‚vierten Macht‘“
(Institut für Publizistik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Koreferat: Christa Zöchling (Profil-Redakteurin, Wien) angefragt

27. Mai 2013:
Martin Döring: Gesundheitspolitik als Herrschaftstechnologie
(Institut für Geographie der Universität Hamburg)
Koreferat: Christoph Fischer (Allgemeinmediziner, Innsbruck) – angefragt

17. Juni 2013:
Podiumsdiskussion: „Die kommenden Aufstände“ – Systemkrisen westlicher Demokratien

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