
Die Online-Konferenz „sprich.Clartext“ von Alles Clara gibt der Betreuung und Pflege von nahestehenden Familienmitgliedern, Freund*innen und Nachbar*innen eine virtuelle Bühne und bringt Expert*innen, Wissenschaftler*innen und Betroffene um relevante Teilbereiche und Fragestellungen zusammen.
Weitere Infos zu den Veranstaltungen findet ihr hier.
FREIRAD sendet die Aufzeichnungen der Online-Veranstaltungen vom 09.02. bis 18.02.2026 als Audiodokumentationen:
Die demografische Entwicklung stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen: Die Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen steigt kontinuierlich, während Gesundheitssystem, Pflegeeinrichtungen und Familien an ihre Grenzen stoßen. Rund 80% des Pflegebedarfs übernehmen Angehörige – meist aus Selbstverständlichkeit, oft unter großer emotionaler, finanzieller und zeitlicher Belastung. Die Folgen sind gravierend: gesundheitliche Probleme, reduzierte Arbeitszeit oder frühzeitiger Ausstieg aus dem Erwerbsleben, besonders bei Frauen. Das verschärft den Fachkräftemangel, dem wir u.a. durch ein höheres Pensionsalter entgegenwirken wollen – ein schwieriges Unterfangen.
Diese Entwicklungen werfen zentrale gesellschaftliche Fragen auf: In welcher Gesellschaft möchten wir zusammenleben und was macht gesellschaftlich wie individuell ein gutes Leben aus? Wie müss(t)en unsere Systeme gestaltet sein? Welche Verantwortung tragen dabei Politik, Wirtschaft und wir als Einzelne?
Vortrag und Diskussionsrunde:
Diskussionsrunde:
Moderation: Nonno Breuss, MPA
Psychische Erkrankungen sind noch immer ein Tabuthema, obwohl sie jeden betreffen können. Rund 25% der Menschen in Westeuropa erleben im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Störung (Quelle: Elisabeth Wagner – Psychische Störungen verstehen). Die Auswirkungen betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr soziales Umfeld. Angehörige erkennen erste Veränderungen, bieten Hilfe an und durchlaufen eigene Phasen der Krankheitsverarbeitung. Oft fehlt Wissen, wie man unterstützt, ohne sich selbst zu verlieren. Viele engagieren sich über ihre Kräfte hinaus und stoßen an emotionale und gesundheitliche Grenzen.
Die Diskussionsrunde beleuchtet Krankheitsbilder und Angehörigengruppen. Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis diskutieren zentrale Fragen wie: Wie erkennt man eine psychische Erkrankung? Wo finden Angehörige Informationen und Hilfe? Und wie gelingt es, zu unterstützen und zugleich eigene Grenzen zu wahren?
Vortrag und Diskussionsrunde:
Diskussionsrunde:
Moderation: Nonno Breuss, MPA
Wenn ein Mensch pflegebedürftig wird, übernimmt meist die Familie die Betreuung – oft über Jahre. Die Rolle pflegender Angehöriger ist komplex: Sie umfasst vielfältige Aufgaben, Erwartungen und soziale Zuschreibungen, die sich je nach Beziehung und Krankheitsverlauf verändern. Die Pflegebeziehung entsteht meist aus bestehenden Fürsorgebeziehungen, kann Nähe stärken, bringt aber auch Überforderung, Konflikte und emotionale Belastungen. Ein stabiles Unterstützungsnetzwerk ist entscheidend, muss jedoch aktiv aufgebaut, gepflegt und an sich verändernde Bedingungen angepasst werden. Dabei sind individuelle Ressourcen, Erwartungen und das Bewusstsein für die eigene Rolle von Bedeutung.
In der Diskussionsrunde beleuchten Expert*innen, wie sich familiäre Beziehungen im Pflegeverlauf verändern, welche Konflikte auftreten und welche Strategien zur Entlastung beitragen.
Vortrag und Diskussionsrunde:
Diskussionsrunde:
Moderation: Nonno Breuss, MPA
Pflegende Angehörige sind eine tragende Säule im österreichischen Pflegesystem. Sie leisten täglich Enormes – meist im Verborgenen und ohne Unterstützung. Pflege beginnt oft schleichend mit kleinen Hilfen im Alltag, die sich allmählich zu umfassender Betreuung entwickeln. Viele erkennen sich erst spät als pflegende Angehörige, wodurch Angebote ungenutzt bleiben und die Belastung steigt. Damit Hilfe nicht erst dann kommt, wenn die Belastung zu groß ist, braucht es Strategien zur frühzeitigen Erreichbarkeit. Pflegende Angehörige sind eine heterogene Gruppe und in allen gesellschaftlichen Bereichen vertreten – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Lebenssituation. Um sie wirksam zu erreichen, braucht es zielgerichtete Ansätze.
Im Mittelpunkt der Diskussionsrunde steht die Frage, wie pflegende Angehörige frühzeitig und wirksam angesprochen werden können. Welche Kanäle und Formate funktionieren? Welche Akteur:innen und Synergien braucht es, um zu unterstützen, bevor es brennt.
Vortrag und Diskussionsrunde:
Diskussionsrunde:
Moderation: Nonno Breuss, MPA
Kinder und Jugendliche, die Verantwortung für die Pflege von Angehörigen übernehmen, sind eine weitgehend unsichtbare Gruppe, obwohl diese Situation das Leben vieler junger Menschen prägt. 42.700 Kinder und Jugendliche in Österreich kümmern sich regelmäßig um kranke, ältere oder beeinträchtigte Angehörige. Diese Verantwortung beeinflusst ihren Alltag, Bildungschancen, Berufswahl und soziale Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie gelingt es, Schule und Pflege zu vereinbaren? Wann und wo holen sich junge Menschen Unterstützung, und welche Rolle spielen Familie, Freund:innen und Lehrkräfte? Welche Berufsgruppen und Institutionen müssen sensibilisiert werden, um Young Carer frühzeitig zu erkennen und zu stärken?
Die Diskussionsrunde bringt Expert:innen aus Forschung und Praxis zusammen, um Antworten zu finden. Ein Beitrag aus dem aktuellen Partizipationsprojekt „Young Carers in Österreich“ liefert erste Erkenntnisse und Impulse für die Diskussion.
Vortrag:
Diskussionsrunde:
Moderation: Nonno Breuss, MPA
„Mit Lebens.Liebe begleiten“.
LeLi – Tageszentrum für Menschen mit Essstörungen.
LeLi, das Tageszentrum für Menschen mit Essstörungen, stellt ein niederschwelliges Angebot dar, das die Versorgungslücke zwischen stationärem Aufenthalt und dem Leben zu Hause schließt. Essstörungen wie Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating-Störung sind komplexe psychische Erkrankungen mit vielen Gesichtern – sie betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern fordern auch das familiäre Umfeld oft über lange Zeit hinweg heraus.
Der Praxisimpuls gibt Einblicke in die Arbeit von LeLi und zeigt, wie Angehörige durch Informations- und Gruppenangebote gezielt unterstützt werden können. Dabei geht es nicht nur um Wissen über die Erkrankung, sondern auch um die emotionale Begleitung und die Frage, wie man helfen kann. Angehörige spielen eine zentrale Rolle beim Erkennen und Überwinden der Krankheit – und brauchen selbst Raum für Austausch, Verständnis und Selbstfürsorge.
Vorgestellt von: Mag.a Christine Brugger (LebensGroß)
„Für morgen entscheiden und vorsorgen.“
Erwachsenenvertretung, Vorsorgevollmacht, Patient:innenverfügung – Wissenswertes für pflegende Angehörige.
Wenn ein geliebter Mensch nicht mehr selbst entscheiden kann, stehen Angehörige oft vor schwierigen rechtlichen und emotionalen Fragen. In diesem Praxisimpuls werden die wichtigsten Instrumente der Vorsorge vorgestellt: die Vorsorgevollmacht, die Patient:innenverfügung und die Erwachsenenvertretung.
Der Impuls bietet einen kompakten Überblick über die Unterschiede und Einsatzbereiche und zeigt, wie Angehörige sich frühzeitig informieren können. Was bedeutet es, eine Vorsorgevollmacht zu übernehmen? Welche Pflichten sind mit der Erwachsenenvertretung verbunden? Neben den juristischen Fakten geht es auch um die emotionale Dimension. Welche schwierigen Themen sollten im Vorfeld angesprochen werden – etwa Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Lebensende und persönliche Werte? Ziel ist es, Angehörige zu stärken – durch Wissen, Klarheit und das Gefühl vorbereitet zu sein.
Vorgestellt von: Mag. Martin Marlovits (VertretungsNetz)
Notfall-, Krisen-, und Katastrophenvorsorge für pflegende Angehörige.
Ein Leitfaden zur Vorbereitung.
Naturkatastrophen wie Hochwasser, Sturm oder extreme Hitze treffen unsere Gesellschaft zunehmend. Von den Auswirkungen besonders betroffen sind vulnerable Gruppen – darunter pflegebedürftige Menschen und somit auch ihre Angehörigen. Das Hochwasser im September 2024 hat gezeigt, wie rasch Versorgungssysteme an ihre Grenzen stoßen können. Evakuierungen, Stromausfälle oder blockierte Wege können die Versorgung von Pflegebedürftigen gefährden und somit Angehörige in akute Krisensituationen bringen.
Dieser Praxisimpuls stellt einen speziell entwickelten Leitfaden zur Katastrophenvorsorge für pflegende Angehörige vor. Er basiert auf den Empfehlungen des Zivilschutz Österreich und wurde gemeinsam mit Expert:innen aus Katastrophenmanagement, Pflegepraxis und Angehörigenvertretung erarbeitet. Ziel ist es, pflegende Angehörige zu stärken – durch konkrete Handlungsempfehlungen, Checklisten und praktische Tipps für den Ernstfall.
Vorgestellt von:
– Michaela Greifeneder (Alles Clara)
– Dipl.Ing.in Susanna Wernhart (DCNA – Disaster Competence Network Austria)
– Annika Hudelmayer, MA. (Hochschule für angewandte Wissenschaft Kempten)
InterCare
Young Carers im internationalen Vergleich.
Junge Menschen, die sich neben Schule, Ausbildung oder Studium um ältere, kranke oder Angehörige mit Behinderung kümmern, sind eine große, aber oft unsichtbare Gruppe. In Deutschland betrifft dies etwa jeden achten jungen Menschen in Ausbildung. Diese Verantwortung beeinflusst Bildungswege, Entscheidungen und die Vereinbarkeit von Alltag und Ausbildung erheblich.
Das Forschungsprojekt “InterCare” der Goethe-Universität Frankfurt untersucht diese Situation erstmals umfassend und zieht einen internationalen Vergleich zwischen der Situation in Deutschland, Großbritannien und Polen.
Vorgestellt von: Dr.in Anna Wanka (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Sondersendung
Die Online-Konferenz „sprich.Clartext“ von Alles Clara gibt der Betreuung und Pflege von nahestehenden Familienmitgliedern, Freund*innen und Nachbar*innen eine virtuelle Bühne und bringt Expert*innen, Wissenschaftler*innen und Betroffene um relevante Teilbereiche und Fragestellungen zusammen. FREIRAD macht die Konferenz nun auch zum Nachhören verfügbar.
09.02.- 18.02. 16-18:30