
Über Wahrhaftigkeit und das Als-ob im zeitgenössischen Kino Spurensuche beim Göteborg Film Festival 2026
Das Radio-Feature untersucht den Begriff der Wahrhaftigkeit im zeitgenössischen Film anhand von Begegnungen, Filmen und Gesprächen beim Göteborg Film Festival, das 2026 unter dem Motto „Truth“ steht.
In einer Gegenwart, in der Bilder zu Waffen geworden und Fakten politisch umkämpft sind, fragt die Sendung, welche Formen filmischer Wahrheit jenseits von Dokumentation und Fiktion möglich sind.
Wie erzählen Spielfilme mit dokumentarischen Mitteln von Geschichte, Gegenwart und Zukunft?
Wo kippt Zeugenschaft in Manipulation? Und welche humanistischen Möglichkeitsräume eröffnet das Kino im „Als-ob“?
Das Feature verbindet essayistische Reflexion mit O-Tönen aus Q&As, Interviews und Filmszenen und versteht das Festival als Labor für eine Ethik des Sehens.
Ein vielfach beobachtetes Phänomen der Gegenwart ist die Debatte um die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion. Sie steht im Zentrum politischer Kampfrhetorik und angesichts der Echtzeitübertragung von Krieg, Genozid und der Zerstörung natürlicher Ressourcen werden Narrative zur Legitimation gewaltvoller, imperialistischer, neokolonialistischer Praktiken eingesetzt.
Spielfilme bedienen sich einerseits dokumentarischer Mittel (erzähltechnisch, visuell/ästhetisch) oder fiktionalisieren faktuale Ereignisse, erlauben dadurch neue Zugänge, Blickwinkel, Reflexionen zu historischen Erzählungen, gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Sie imaginieren alternative Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte und schaffen so wahrhaftige Möglichkeitsräume im als-ob (as if). Dokumentarfilme wiederum erzählen oft kunstvoll und ergreifend von einer Gegenwart, die mithin stranger than fiction ist.
Fakten lassen sich belegen, sie stehen nicht zur Disposition. Der Wahrheitsbegriff erscheint diesbezülich stärker von Debatten, Machtdynamiken und Meinungshegemonien ausgesetzt. Der entscheidende Unterschied: Kunstwerke sind keinem Wahrheitsanspruch verpflichtet, während der Dokumentarfilm sich oft an der Grenze zwischen Wahrheitsanspruch und künstlerischer Freiheit darstellt bewegt und schneller ins Manipulative kippen kann.
Viele internationale Film Festivals zeigen in ihrem Programm eine große Bandbreite an Filmen vom Fantastischen bis hin zum Faktischen und sind genau mit jenen Fragen zur Grenzziehung permanent befasst. Das zeigt sich nicht zuletzt in den Q&As nach den Filmscreenings. Das Göteborg Film Festival hat 2026 das Thema „Truth“ ins Zentrum gestellt und fragt sich, welchen Stellenwert in der durchmedialisierten Gegenwart und im „Krieg der Bilder“ Filme haben, wie sie neue Perspektiven auf die Welt schaffen können, die wahrhaftig und humanistisch sind.
Dieses Feature spürt diesen Wahrhaftigkeiten beim größten skandinavischen Film Festival nach, fragt, welche Bedeutung der Wahrheitsbegriff im zeitgenössischen Film hat und welche humanistischen Zukünfte sich in diesem Medium imaginieren lassen.
Sendungsgestaltung: Anna Obererlacher

Lust auf ein einmaliges Erlebnis? Dann hol dir einen Platz im FREIfenster. Jeden Freitag von 19 bis 20 Uhr gibt es einen Sendeplatz für alle, die in einer einmaligen Sendung ihre Themen und Anliegen übers Radio transportieren wollen. Live oder vorproduziert. Für Menschen, die keine Grundausbildung besucht haben, stellen wir gegen einen Unkostenbeitrag Techniker*innen zur Verfügung. Infos dazu erhältst du im Büro.
Über Wahrhaftigkeit und das Als-ob im zeitgenössischen Kino Spurensuche beim Göteborg Film Festival 2026
Am Fr, 27.02. im FREIfenster um 19 Uhr