
Wo und wie wir leben ist politisch. Wie lebenswert eine Stadt oder ein Ort ist, hängt von vielen Faktoren ab: u.a. von öffentlichen, barrierefreien Plätzen; von inklusivem, lebenswertem Wohnraum; Infrastruktur zur gesundheitlich Versorgung und auch von der Einbindung von Umweltbedingungen und der Natur. Politiken der Abschottung und Sozialabbau erschweren das Leben an vielen Orten. Und auch durch die Klimakrise als Teil der Polykrisen (ineinander verschränkte, komplexe Krisen), wird ohne schnelles und entschlossenes Handeln noch deutlich mehr Lebensraum zerstört werden, als ohnehin schon.
Mit Fragen zum Leben kommt schnell die Frage nach Wohnen auf. In ganz Tirol sind Wohnkosten der monatlich größte Ausgabenfaktor. Der Zugang zu leistbarem Wohnraum bestimmt stark, wer, wo und wie leben und teilhaben darf. Mit der Änderung des Mindestsicherungsgesetzes zu Beginn dieses Jahres verschärft sich die Lage und Möglichkeit der Teilhabe drastisch für Menschen, die bereits zuvor schon prekären Lebenssituationen ausgesetzt waren. Unter anderem die strengeren Zugangsbestimmungen zur Unterstützung, auch aufgrund von Staatsbürger*innenschaft, zeigen auf, welche Menschen vom Staat als unterstützenswert angesehen werden. Die im EU Homelessness Count 2025 für Innsbruck erhobene Zahl legt offen, dass in Innsbruck über 1.256 Erwachsene und über 133 Kinder von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Teure und kaum leistbare Mieten, Leerstand sowie befristete Mietverträge und auch Diskriminierung am Wohnungsmarkt zeigen, wie Wohnen als Profitgut und „freier“ Markt gehandelt wird. Solange Wohnen nicht gesamtgesellschaftlich als Grundrecht verstanden und eingefordert wird, verschärft sich die Wohnkrise weiter.
Ein geschützter und lebenswerter Wohnraum steht allen Menschen, unabhängig von ihrer Positionierung in der österreichischen Gesellschaft zu und und liegt maßgeblich in der Verantwortung der lokalen Wohnpolitik.
Neben strukturellen und finanziellen Einflussfaktoren, wirken sich Umweltbedingungen sowie die fehlenden als auch vorhandenen Maßnahmen auf lebenswerten Wohnraum aus. Zwischen 1991-2000 wurden in Innsbruck im Schnitt 0,6 Tropennächte gemessen. Das sind Nächte in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, und der menschliche Körper sich schwer erholen kann. Stand August 2026 lag die Anzahl an aufgezeichneten Tropennächten bei 2. Und auch die regionale Klimaanalyse des Inntals zeigt den Hitzestress in Innsbruck und Umgebung deutlich. In anderen Bundesländern war die nächtliche Hitze noch stärker zu spüren, zum Beispiel in Linz mit 20 statt 2,8 Tropennächten oder in Wien-Leopoldstadt mit 42, statt 25 im Schnitt. Nicht nur Dachgeschossbewohnende können aus dem vergangenen Sommer zu diesen mehrfachen Höchstwerten an Hitzetemperaturen berichten. Auch wenn oft über die Klimakrise in vermeintlich positiv konnotierten „Rekorden“ berichtet wird, bedeutet das vor allem eins: Die Bedrohung und Zerstörung von lebenswerten oder gar lebensfähigen Orten, ob in städtischen Ballungsgebieten, inbrandbedrohten Wäldern oder Küstenstreifen.
Angesichts solcher Meldungen und Zahlen macht sich oft ein Gefühl von ausgeliefert sein breit und viele Änderungshebel scheinen weit entfernt zu sein. Ein Blick in die Geschichte und Gegenwart zeigt unzählige Kämpfe, Initiativen und was möglich ist, wenn Menschen sich mitteilen, zuhören und gemeinsam handeln. Gemeinnützige Infrastrukturen in vielen Bereichen vom sozialem Wohnraum, Energieversorgung, Landwirtschaft, Gesundheit, Ressourcenverteilung und Sorgearbeit bis hin zu Freien Medien wie FREIRAD, stärken selbstbestimmtere und resiliente Lebensgestaltung.
Hören wie es anderen Menschen geht, wofür sie sich einsetzen und welche Hürden und Möglichkeiten es gibt, regt Verbundenheit und Handlungsfähigkeit an. Freie Medien wie FREIRAD, ermöglichen mit Offenem Zugang unabhängige und vielfältige Einblicke und Mitschnitte von unterschiedlichen Leben. FREIRAD feiert im kommenden Jahr sein 25-jähriges Jubiläum des Sendestarts, doch die Entstehungsgeschichte geht weiter zurück bis in die 90er Jahre mit dem Kampf gegen das Rundfunkmonopol. Seit Beginn steht FREIRAD für einen Offenen Zugang, Vielfalt, Unabhängigkeit und das nichtkommerziell und werbefrei.
Kritische Auseinandersetzung, Inspiration und Mut kommen vom Hinhören und Mitreden.
In Begegnungen mit anderen Menschen, ob zufällig oder geplant, liegt Potential, um gemeinsam luftzuholen, sich auszutauschen und kennenzulernen. Beschrieben werden diese Zusammenschlüsse oft mit dem hochgepriesenen Wort Community – Gemeinschaft(en). Diese können so unterschiedlich gestaltet sein, ob lose kollektive Zusammenhänge, online Gemeinschaften oder reguläre Zusammenkünfte. Ob zwischen Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen, ähnlichen Zielen, ähnlichen Struggles, moralischen Vorstellungen, Leidenschaften oder politschem Verständnis, Communities sind so vielfältig, wie Menschen vielfältig sind.
FREIRAD als Freies Radio und Community Radio bietet eine Plattform für unterschiedliche Communities, um ihre Anliegen nach außen zu tragen und die Infrastruktur zu nutzen, und ist neben den Radiowellen auch ein physischer Ort für das Zusammenkommen und den Austausch. FREIRAD selbst ist eine Gemeinschaft von unterschiedlichen Radiomacher*innen, Hörer*innen und FREIRAD Freund*innen, die wiederum ihre Communities mitbringen und einbringen. Mit antidiskriminatorischem Anspruch, verankert in der Charta, ist FREIRAD ein Medium und eine Community für lokalen und auch überregionalen Austausch.
Im offenen Zugang bietet FREIRAD Ressourcen für Gestaltung von kreativen Radioformaten und Projekten, die gemeinschaftsorientiert ganz im Sinne der Nicht-Kommerzialität entgegen individueller oder monopolistischer Profite erdacht werden. Gemeinschaften leben von der Gestaltung ihrer Mitglieder und wir freuen uns, wenn auch du und deine Communities Teil von FREIRAD sind. Nice to meet you! Komm vorbei, besuch einen Workshop und gestalte dein Radio.

FREIRAD ist eine Plattform der Zivilbevölkerung, ein Communtiy Radio in dem Stimmen, Themen und Perspektiven hörbar werden, die sonst oft nicht zu Wort kommen oder Gehört werden.
In einer Welt voll Polykrisen, von sozialen Ungerechtigkeiten, Konflikten bis hin zu Kriegen, verdeutlichen sich Macht- und Herrschaftsstrukturen. Oft ist es eine Herausforderung aktiv und handlungsfähig zu bleiben.
Ob individuelle Betroffenheit oder gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, die Herausforderungen und Themen sind vielfältig. So auch Frustrationslevel, Ohmachtsgefühle und Ängste.
Deshalb ist es um so wichtiger Themen besprechbar zu machen, Diskurs zu fördern und in Austausch und Auseinandersetzung zu gehen um ein gemeinschaftliches Miteinander zu leben.
FREIRAD setzt sich gegen Tabuisierungen ein, für eine offene und kommunikative Gesellschaft und das alles on und off air.

Wir brechen mit stereotypen Zuschreibungen und Schweigen. FREIRAD versteht unter professioneller Medien-und Bildungsarbeit auch das Miteinbeziehen, Mitdenken und aktive Ansprechen von Herausforderungen.
Denn wir wollen verschiedene Perspektiven, Lebensrealitäten und Lösungsstrategien breit und öffentlich diskutieren können. Unter dem Motto “Hören und gehört werden” sind alle Menschen eingeladen, das FREIRAD Programm zu hören und auch durch eigene Sendungen mitzugestalten.
FREIRAD als Freies Radio verschreibt sich der Partizipation und dem Offenen Zugang. Denn der nichtkommerzielle Rundfunk ist ein Raum in dem verschiedene zivilgesellschaftliche Akteur*innen nicht nur Öffentlichkeit erhalten, sondern auch selber herstellen können!
Mehr dazu lest ihr auch in der aktuellen Studie zur Bedeutung des Freien Rundfunks für Teilhabe, Medienkompetenz und gesellschaftlichen Diskurs.
Wie du FREIRAD Radiomacher*in wirst und auch deine Themen ins Radio bringst?
Alle Infos findest du hier: Radio Machen!
Das Foto von „Heul Doch!“ ist übrigens in der Axamer Lizum entstanden. Es ist symbolisch für die verschränkten Diskurse über Klimawandel, Naturschutzdebatten und (Winter)Tourismus. Was löst das Plakat in dir aus?
Tirol ist besonders, in vielerlei Hinsicht. Geprägt von Bergen und Tälern, ein Paradies für Sommer- und Wintersport, mit einigen Tourismus Hotspots, unterschiedlichsten Lebensrealitäten und einer Vielzahl an Communities und einem (noch) breiten Kulturangebot, welches vor allem aus der freien Szene dank vieler engagierter Personen, unter oft prekären Bedingungen entsteht. Und gleichzeitig herrschen hier die österreichweit höchsten Mietpreisen. Genau diese Themen greift FREIRAD mit der Plakatkampagne „Heul doch! In unserem Radio darfst du’s.„, „Hör mal! Wir leben hier!“ und „Nice to meet you! Eure Communities im Radio.“ auf.
In kreativer Weise und mit etwas Humor stehen oft ineinandergreifende Themenkomplexe im Fokus. Im Laufe des Jahres wird zeitgleich mit unserer quartalsweise erscheinenden Programmzeitung je ein Sujet im Innsbrucker Stadtraum plakatiert und auf unserer Programmzeitung veröffentlicht. Dir gefällt was du siehst? Die Plakate und Flyer/Postkarten gibt es bei FREIRAD zur freien Entnahme. Sei mit dabei, hol dir deine Plakate und Flyer/Postkarten, häng sie auf und verteil sie um gemeinsam auf diese Themen aufmerksam zu machen und FREIRAD noch sichtbarer zu machen.

Wo und wie wir leben ist politisch. Wie lebenswert eine Stadt oder ein Ort ist, hängt von vielen Faktoren ab: u.a. von öffentlichen, barrierefreien Plätzen; von inklusivem, lebenswertem Wohnraum; Infrastruktur zur gesundheitlich Versorgung und auch von der Einbindung von Umweltbedingungen und der Natur.
Hören und gehört werden auf FREIRAD! Deine Themen im Radio.