Diese Sendung ist seit dem 26. April 2017 im Programmschema
und läuft monatlich am 4. Mittwoch von 17:00 bis 18:00


Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten
Einblicke in rechtes Denken und Handeln

Die gegenwärtigen Erfolge rechter Parteien in Europa, der Präsidentschaftswahlkampf in den USA, Österreich und Frankreich, der Aufklärungsprozess der Taten des ’Nationalsozialistischen Untergrundes‘ (NSU) und Morde von Seiten der ’Reichsbürger‘ in Deutschland – die Mobilisierung des Flüchtlingsthemas von diversen rechten Akteur_innen in Europa – machen das Thema ’Rechtsextremismus‘ derzeit aktueller denn je. Der Zusammenhang von Prekarisierung und Rechtspopulismus wird in der Forschung rege diskutiert.

Terror entsteht nicht von heute auf morgen, sondern basiert auf längerfristigen Sozialisationen von Menschen mit einem bestimmten Welt- und Gesellschaftsbild und den Gelegenheitsstrukturen, Diskursräumen und rechtlich-politischen Ordnungen von Gesellschaften. Ethnopluralismus, Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus, Autoritarismus, Antiindividualismus und Anti-genderismus sind dabei Hauptbestandteile rechten Denkens. Charakeristisch für diese Ideologie ist die Konstruktion einer völkischen ’Wir-Gruppe‘ und die daraus resultierende Ausgrenzung und Abwertung spezifischer Fremdgruppen und Lebensweisen: Migrant_innen, Sinti und Roma, Juden und andere, die zu ’Fremden‘ gemacht werden (Arbeitslose, Wohnungslose, LGBT etc.).

Nicht nur an den repräsentativen Einstellungsforschungen wird deutlich, dass es sich beim Rechtsextremismus nicht um ein marginales Phänomen an den Rändern handelt, sondern rechte Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft Zustimmung finden und von ihr ermöglicht werden.
 

Einblicke in rechtes Denken und Handeln

Die Vorlesungsreihe möchte interdisziplinäre Einblicke in rechtes Denken und Handeln geben, sowohl begrifflich-theoretisch als auch anhand empirischer Forschungen in unterschiedlichen Ländern und sozialen Gruppen, sowie Erklärungen und Möglichkeiten des bildungspolitischen und pädagogischen Umgangs aufzeigen.

The lecture series explores the thought and action of contemporary far right movements, parties and actors from an interdisciplinary perspective. The invited speakers will discuss theoretical and empirical research on different countries and social groups and will offer explanations as well as reflections on the possibilities of educational work against right-wing extremism.



MacherIn: Manuel Mayrl, Leonie Drechsel


Speziell zur Sendung am
Mittwoch, den 26. April 2017
:

Der Nährboden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU)
Eröffnungsveranstaltung der Vorlesungsreihe Die Dynamik der gegenwärtigen Rechten

Referentin: Rechtsanwältin Antonia von der Behrens

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Lisa Pfahl (Institut für Erziehungswissenschaft/Universität Innsbruck)

Die rassistische Terrororganisation NSU hat in Deutschland zwischen 2000 und 2006 acht türkeistämmige Männer und einen griechischstämmigen Mann und im Jahr 2007 eine deutschstämmige Polizistin umgebracht, außerdem hat sie drei Anschläge und 15 Raubüberfälle verübt. Während der gesamten Zeit lebten die drei mutmaßlichen Mitglieder des NSU unbehelligt im halblegalen Untergrund und die Taten wurden ihnen erst nach der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 zugeschrieben.

Der NSU selber hat nur wenig Schriftliches zur seiner Ideologie und seinen Zielen, die er mit der Bekämpfung der Feinde der deutschen Nation beschreibt, hinterlassen. Sein Vorgehen folgt dem Konzept des führer- und bekennerlosen Widerstandes, Ideen, die in den 1990er und 2000er Jahren in der deutschen Neonaziszene unter anderem mit Hilfe von sogenannten Vertrauensleuten, die für den Verfassungsschutz arbeiteten, Verbreitung fanden.
Der Vortrag nimmt den Nährboden auf dem der NSU entstehen konnte und Bestand hatte in den Blick. Es wird die Wechselwirkung zwischen dem Erstarken einer militanten Neonaziszene, die den Ideen eines Rassenkrieges anhängt, und der Kontrolle dieser Szene durch den deutschen Verfassungsschutz dargestellt werden.

Die Referentin, Rechtsanwältin Antonia von der Behrens aus Berlin, vertritt im Münchener NSU-Prozess die Interessen der Familie Kuba??k. Mehmet Kuba??k wurde am 4. April 2006 in Dortmund vom NSU ermordet. Sie war an fast allen Tagen der bisher mehr als 350 Hauptverhandlungstagen im Verfahren vor dem Oberlandesgericht München anwesend.

Organisation: Ass.-Prof.in Dr.in Claudia Globisch (Institut für Soziologie/Universität Innsbruck) & Manuel Mayrl (Grüne Bildungswerkstatt Tirol)





www.uibk.ac.at/soziologie/aktuelles/a4-folder-6seitig-vortragsreihe-die-dynamik-der-europ-rechten-2017-06.pdf


Nachhören in der Radiothek der Freien Radios Österreichs

dynamik_der_gegenwärtigen_rechten