kinovi[sie]on am 08.11.2007

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Zwei Tabuthemen werden im Film „Novembermond“ von Alexandra von Grote aufgegriffen: lesbische Liebe und Kollabroation im Zweiten Weltkrieg.

NOVEMBERMOND
R: Alexandra von Grote

Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges flieht November Messing von Berlin nach Paris. Als Jüdin wird sie in Deutschland mit dem Leben bedroht, als illegale Arbeiterin wird sie in Frankreich „nur“ diskriminiert. An ihrem Arbeitsplatz, im Bistro ‚La Cigale’, lernt sie die Französin Férial kennen. Zwischen beiden Frauen entwickelt sich eine unmögliche Liebe in Zeiten des Hasses. Der Einmarsch der Nationalsozialisten bedeutet wieder Flucht, doch November wird verraten, gefunden, verhört, geschlagen und vergewaltigt. Der Bestimmung zur Zwangsprostitution kann sie durch die Hilfe eines deutschen Soldaten entgehen. Sie kehrt ins besetzte Paris zurück, wo sie nunmehr in völliger Illegalität von Férial versteckt wird, die mit den Nazis kollaboriert, um ihre mehrfach verbotene Liebe nicht zu gefährden. Beide überleben den Krieg, doch die Gewalt hinterlässt Spuren in ihren Körpern und Seelen.
„Dieser aus einem authentischen Fall entwickelte […] Film greift gleich zwei Tabu-Themen auf, lesbische Liebe und Kollaboration im Zweiten Weltkrieg. Weil er weitgehend auf voyeuristische Sensationen verzichtet, überzeugt er in der Darstellung menschlicher Empfindungen. Wichtiger noch: Er erinnert an jene Mutigen, die im Schatten offizieller Wiedergutmachungsprogramme vergessen wurden, und erinnert daran, wie klein der Schritt zur Kollaboration ist.“ (Lexikon des Deutschen Films)
„Ein bestürzendes und poetisches Liebesdrama während des Zweiten Weltkrieges“ (Cinergy, www.cinema.ch)
„Alexandra von Grotes souverän inszenierter zweiter Film erzählt ein Stück französischer Zeitgeschichte und zugleich eine spannende Liebesgeschichte zweier Frauen, die sich mit unglaublicher Stärke und unter großen Opfern dagegen wehren, dass ihre beiden und ihr gemeinsames Leben zerstört werden.“ (10. Oldenburger Filmtage)
NOVEMBERMOND lief 1985 bei der Berlinale (Sektion Panorama)
Auszeichnungen: Media-Award Los Angeles, Frameline-Award San Francisco

Alexandra von Grote (geb. 1944): ging in Paris zur Schule, studierte in München und Wien Theaterwissenschaften und promovierte zum Dr.phil. Während der Studienzeit Arbeit am Theater und Schauspielausbildung. Nach einer fünfjährigen Tätigkeit als Fernsehspiel-Redakteurin im ZDF war sie zwei Jahre Referentin für Kulturpolitik beim Senator für Wissenschaft und Kunst in Berlin. Seit 1981 ist sie als Filmregisseurin tätig, u.a. drehte sie die Kinofilme „Weggehen um anzukommen”, „Novembermond” und „Reise ohne Wiederkehr”. Sie schrieb zahlreiche Drehbücher, Gedichte, Erzählungen und Romane. Alexandra von Grote lebt in Berlin und Südfrankreich.

Filmographie (Auswahl): SIE BLIEBEN IM LANDE UND WEHRTEN SICH TÄGLICH (TV-Film, 1980); WEGGEHEN UM ANZUKOMMEN (Kinofilm, 1982); NOVEMBERMOND (Kinofilm, 1985); REISE OHNE WIEDERKEHR (Kinofilm, 1990)
BRD/Frankreich 1985; Regie und Drehbuch: Alexandra von Grote; Kamera: Bernard Zitzermann; Musik: Egisto Macchi; DarstellerInnen: Gabriele Osburg (November Messing), Christiane Millet (Férial); Bruno Pradal (Marcel), Gerhard Olschewski (Jean), u.a.m. (35mm; 1:1,66; Farbe; Stereo; 106min; DEUTSCHE ORIGINALFASSUNG)

kinovi[sie]on – Filme von Regisseurinnen

Frau und Film – zwei Wörter, die aus lautlichen Gründen eine Verbindung eingehen – eine Verbindung zwar, aber leider eine einseitige, eine von Anfang an verschobene: Frau und Film bilden ein ungleiches Paar: er (der Film) zeigt – sie (die Frau: von Garbo bis Kidman) wird gezeigt. Nach wie vor, so erweckt es den Anschein, hat sich an diesem Verhältnis (aktiv/passiv) und seinen Zuschreibungen (männlich/weiblich) kaum etwas verändert. Die Filmindustrie, vor allem die Bereiche Regie und Produktion, sind weit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt.

kinovi[sie]on – ein Projekt des Otto Preminger-Instituts (Leokino/Cinematograph) – stellt seit dem Internationalen Frauentag 2005 einmal monatlich (jeweils am 8.) das Filmschaffen von Frauen in den Mittelpunkt. Der Filmzyklus kinovi[sie]on will nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Frauen als Filmemacherinnen signifikant unterrepräsentiert sind, sondern vor allem dieser Tatsache entgegenwirken. Der so genannte „weibliche Blick“ wird nicht auf typische Themen fokussiert, sondern geweitet, gesplittert gesehen. kinovi[sie]on stellt ein Prisma dieses Blicks dar und bietet der oft kontroversiellen Vielfältigkeit des Filmschaffens von Frauen Raum. Einzelne Filmpräsentationen werden durch Impulsreferate und Publikumsdiskussionen in gesellschaftspolitische und filmtheoretische Zusammenhänge eingebettet und diskutiert.

Konzept, Umsetzung, Dokumentation: Gerlinde Schwarz und Gertraud Eiter Kontakt: kinovisieon@leokino.at
Nähere Infos: http://www.leokino.at/kinovisieon/kinovisieon.php

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